Hautarztpraxis Perret Niesert

Allergietest beim Dermatologen: Welche Verfahren gibt es und was können sie zeigen?

Allergietest beim Dermatologen: Welche Verfahren gibt es und was können sie zeigen?

Wer nach dem Ursprung von Hautausschlägen, Juckreiz oder hartnäckigen Beschwerden sucht, hört vom Arzt oft denselben Vorschlag: ein Allergietest. Doch was sich hinter diesem Begriff verbirgt, ist keineswegs eindeutig – denn es gibt mehrere grundlegend verschiedene Verfahren, die unterschiedliche Fragen beantworten und für unterschiedliche Situationen geeignet sind. Der richtige Test hängt davon ab, welche Art von Allergie vermutet wird.

Typ-I- und Typ-IV-Allergien: Warum der Unterschied entscheidend ist

Allergien laufen nicht immer nach demselben Muster ab. Bei einer Soforttypreaktion (Typ I) reagiert das Immunsystem innerhalb von Minuten – ausgelöst durch IgE-Antikörper, die gegen bestimmte Auslöser wie Pollen, Hausstaubmilben oder Tierhaare gerichtet sind. Klassische Beispiele sind Heuschnupfen, allergisches Asthma oder Nahrungsmittelallergien.

Anders verhält es sich bei der Kontaktallergie (Typ IV): Hier tritt die Reaktion verzögert auf – meist erst 24 bis 72 Stunden nach Kontakt mit dem Auslöser. Nickel in Schmuck, Duftstoffe in Kosmetika oder Konservierungsmittel in Cremes sind typische Verursacher. Die Haut reagiert mit Rötung, Bläschen und starkem Juckreiz – ein Bild, das dem allergischen Kontaktekzem entspricht.

Für jeden dieser Reaktionstypen gibt es eigene, speziell darauf zugeschnittene Testverfahren.

Der Pricktest – schnell, zuverlässig, breit einsetzbar

Der Pricktest ist das am häufigsten eingesetzte Verfahren in der allergologischen Praxis und richtet sich auf Soforttypreaktionen. Dabei werden standardisierte Allergenextrakte auf die Unterarminnenseite aufgetragen – je ein Tropfen pro vermutetem Auslöser. Mit einer kleinen Lanzette wird die Haut an jeder Stelle leicht eingestochen, sodass minimale Allergenmengen eindringen können.

Nach etwa 15 bis 20 Minuten zeigt sich das Ergebnis: Bildet sich an einer Stelle eine Quaddel (eine kleine, erhabene Rötung), spricht dies für eine Sensibilisierung gegenüber dem jeweiligen Allergen. Als Kontrollen dienen ein Positiv-Kontrollstoff (Histamin) und ein Negativ-Kontrollstoff (Kochsalzlösung).

Für wen ist er geeignet? Der Pricktest eignet sich besonders gut bei Verdacht auf:

  • Pollenallergien (Gräser, Birke, Beifuß)
  • Hausstaubmilbenallergie
  • Tierepithelallergien (Katze, Hund, Pferd)
  • Schimmelpilzallergien
  • bestimmte Nahrungsmittelallergien

Ein wichtiger Hinweis: Antihistaminika können das Ergebnis verfälschen und sollten einige Tage vor dem Test abgesetzt werden. Der Dermatologe informiert vorab, welche Medikamente pausiert werden müssen.

Der Epikutantest – Spurensuche bei Kontaktallergien

Wer an einem hartnäckigen Ekzem leidet, das sich an Stellen zeigt, die regelmäßig mit bestimmten Materialien oder Substanzen in Berührung kommen – an den Ohrläppchen, Handgelenken oder im Gesicht – ist häufig von einer Kontaktallergie betroffen. Hier kommt der Epikutantest (auch Patch-Test genannt) zum Einsatz.

Dabei werden kleine Pflasterkammern mit verschiedenen Testsubstanzen auf den Rücken aufgebracht und für 48 Stunden belassen. Nach dem Ablösen folgt eine erste Ablesung, eine weitere nach weiteren 24 bis 48 Stunden. Denn gerade bei der Typ-IV-Reaktion kann es dauern, bis sich eine Reaktion zeigt.

Getestet werden standardisierte Substanzreihen – etwa die Europäische Standardreihe, die häufige Kontaktallergene wie Nickel, Duftstoffmix, Kobalt, Formaldehyd oder Epoxidharze enthält. Je nach Verdacht können ergänzende Reihen (Kosmetik, Berufsallergene, Zahntechnik) hinzukommen.

Was der Epikutantest leisten kann – und was nicht

Eine positive Reaktion zeigt, dass eine Sensibilisierung gegenüber dem getesteten Stoff vorliegt. Ob dieser Stoff auch tatsächlich für die aktuellen Beschwerden verantwortlich ist, muss der Dermatologe im Kontext der Krankengeschichte beurteilen. Nicht jede Sensibilisierung bedeutet automatisch klinische Relevanz.

Spezifisches IgE im Blut – wenn der Hauttest nicht möglich ist

Manchmal ist ein Hauttest nicht durchführbar: bei ausgeprägten Hautveränderungen, laufender Medikation, die nicht unterbrochen werden kann, oder bei sehr kleinen Kindern. In diesen Fällen bietet die Blutuntersuchung auf spezifische IgE-Antikörper eine sinnvolle Alternative.

Dabei wird im Labor gemessen, ob und in welcher Konzentration allergenspezifische IgE-Antikörper im Blut vorhanden sind. Moderne Methoden wie die Multiplex-Allergendiagnostik erlauben es sogar, hunderte von Einzelallergenen in einem einzigen Test zu identifizieren und zwischen echter Allergie und Kreuzreaktivität zu unterscheiden.

Allerdings gilt: Ein erhöhter IgE-Wert allein beweist noch keine klinisch relevante Allergie. Die Interpretation muss immer gemeinsam mit den Symptomen und der Anamnese erfolgen. Wie das Robert Koch-Institut zur Allergieepidemiologie festhält, hat die Zahl der Menschen mit nachweisbarer Sensibilisierung in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen – nicht alle entwickeln jedoch eine manifeste allergische Erkrankung.

Welcher Test wann – eine Orientierung

Situation Empfohlenes Verfahren
Verdacht auf Heuschnupfen, Tierhaarallergie Pricktest
Ekzem nach Schmuck, Kosmetika, Berufsexposition Epikutantest
Hauttest nicht möglich Spezifisches IgE im Blut
Komplexe Mehrsensibilisierung Kombination aller Verfahren

Der Weg zur richtigen Diagnose

Kein Allergietest arbeitet für sich allein. Die Testergebnisse werden immer im Zusammenhang mit einer ausführlichen Anamnese bewertet – also der Schilderung, wann und wo Beschwerden auftreten, welche Substanzen in Frage kommen und wie die Symptome aussehen. Manchmal führt erst die Kombination aus Testbefund und klinischem Bild zur Diagnose.

Wer in Essen und der Umgebung unter ungeklärten Hautreaktionen, Ekzemen oder Verdacht auf eine Allergie leidet, sollte nicht lange warten. Frühzeitig abgeklärt lässt sich nicht nur Erleichterung im Alltag gewinnen – in vielen Fällen können auch schwerwiegendere Reaktionen durch gezielte Meidung der Auslöser verhindert werden.